Tanger // 2.-3. Dezember 2017

Am Weg nach Tanger tappte auch Anita endlich in die Radarfalle. Als der Polizist sie aufhielt, konnte auch ich nicht so recht glauben, dass sie zu schnell fuhr. Meiner Meinung nach hielt sie sich echt an die Tempolimits (jedenfalls mehr als ich) aber das Foto auf der Radarpistole war eindeutig. Anita hält nicht viel von Bestechung und korrupten Polizisten und verlangte eine Quittung. Offensichtlich traf sie dabei genau den richtigen Punkt des Polizisten, denn er ließ uns weiterfahren. Soll einer dieses marokkanische System verstehen, denn bei vorherigen Kontrollen konnte das Foto der Radarpistole angeblich nicht gelöscht werden. Wahrscheinlich gab es gar kein System, sondern jeder richtete es sich so wie er es gerade brauchte.

In Tanger überlegten wir genau, wie wir mit unserem Gepäck und der Tagesplanung vorgehen, um einerseits nicht alles vom Parkplatz quer durch die Medina zum Hostel schleppen zu müssen und andererseits alles erledigen, ohne zu viel Zeit zu verlieren. Wir entschieden uns für folgende Reihenfolge:

1.     gekauftes Geschirr und Teppiche am Parkplatz einpacken

2.     Auto waschen lassen (60 Dirham)

3.     ins Hostel einchecken

4.     ein Hammam besuchen

5.     ein bisschen von Tanger sehen und den letzten Tag genießen

Während wir also mitten am Parkplatz mit dem Abfotografieren, Einpacken und Abwiegen des Gepäcks beschäftigt waren, merkte ich plötzlich wie mir jemand etwas aus der Hosentasche zog. Der dreiste Dieb erntete einen kurzen, festen Hieb auf den Oberarm von mir und ließ sich somit überzeugen, mir das Geld, das ich fürs Autowaschen vorbereitet habe, zurückzugeben. Weglaufen konnte er sowieso nicht, da ich mich auf seine Zehen stellte.

Der Weg zum Hostel führte durch ein Ghetto und wieder verliefen wir uns im Gassengewirr. Mitten in diesem Ghetto war das Hostel „Bayt Alice“ wie ein Tor in eine andere Welt: es war gemütlich eingerichtet, ein Ofen hing mitten im Raum. Nette Sitzgelegenheiten, angenehme Schlafecken und harmonische Unterhaltungen und Gelächter der Gäste füllten den Raum. Eine besonders nette Überraschung war den Briten Josh, den wir in Fès kennengelernt hatten, wieder zu treffen.

Um den Abend und die Marokkoreise würdig abzuschließen, besuchten wir ein Hammam. Von einer freundlichen Einheimischen wurden wir in eines geführt, das weniger wie eine Wohlfühloase sondern mehr wie ein Kinderwohnheim aussah. Die Kommunikation mit der Frau, die sichtlich dafür verantwortlich war, war überaus schwierig und gelang nur mit Händen, Füßen und Anitas eingerosteten Spanischkenntnissen. Wegen der düsteren Atmosphäre und der Tatsache, dass wir keine Badesachen mithatten, hatte ich kein gutes Gefühl bei dieser Sache aber wir zogen es durch.

Anita war zuerst dran und verschwand hinter der quietschenden Tür, die links hinten in der dunklen Ecke ins Bad oder wohin auch immer führte. Ich hoffe, sie würde wieder auftauchten und schrieb ein wenig in Sorge diesen Abschnitt vom Tagebuch. Nach 30 Minuten kam sie wieder und meinte, dass sie ganz schön durchgeschrubbt worden sei. Es war gut und intensiv aber es sei gut, dass es vorbei ist. Also war ich jetzt an der Reihe.

Zuerst sollte ich mich vor einem wildfremden Mann nackt ausziehen und mich anschließend vor ihm auf die Fliesen liegen. Er zog sich einen Waschhandschuh über die Hand schrubbte was das Zeug hält. Arme, Bauch, Schultern, Beine. Er schrubbte mir fast die Haut von Leibe. Es war unmöglich, mir ein Zusammenzucken zu verkneifen. Umdrehen und die Rückseite war dran. Warme Wannenduschgänge wechselten sich mit Schmerz und Pein des Schrubbens ab. Als ich fertig war, wusste ich wie Anita „gut, intensiv aber gut, dass es vorbei ist“ gemeint war. Es hatte was von einem ‚Neugeboren’-Gefühl.

Zurück im Hostel genossen wir abschließend die Dachterrasse und bereiteten uns für den Abflug in die Heimat vor. Tja, 18 Tage vergingen wieder mal wie im Flug.

Am Flughafen angelangt checkten wir mit 3 Gepäckstücken ein – unseren zwei Koffern und dem telefonisch angemeldeten aber noch nicht bezahlten Zusatzgepäck mit den Teppichen und dem Geschirr. Der freundliche Steward reservierte für beide Flüge super Sitze, klebte ein Fragile-Sticker auf das (noch immer nicht bezahlte) Zusatzgepäckstück, ließ alle Gepäckstücke mit dem Gepäckband verschwinden und wünschte uns einen guten Flug.

In Wien-Schwechat angelangt, machten wir das Paket auf und mussten feststellen, dass 2 Schalen gebrochen waren. Wir fotografierten alles und machten beim Reklamationsschalter eine Schadensmeldung.

Fazit: Marokko ist absolut sehenswert. Die Märkte und Menschen sind wirklich interessant, sind aber eher zurückhaltend und ablehnend, wenn man sie fotografieren möchte. Man muss stets auf der Hut sein und auf sich und seine Sachen aufpassen. Unser Geheimtipp ist auf jeden Fall Essaouira, vor allem wenn man es gerne warm hat und die guten Vibes einer schönen, entspannten Hafenstadt fühlen möchte.

Den nächsten Marokko-Trip könnte ich mir im Camper in der Westsahara à la Harald gut vorstellen.

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