Fès // 28.-29. November 2017

Den ersten Tag legten wir, beide etwas kränklich, einen Gang zurück. Am Plan stand nur das Gerberviertel, wo Tierhäute verarbeitet wurden. Laut Reiseführer sollte man eigentlich nur seiner Nase folgen aber wir rochen nichts und fanden auch nach mehrmaligen Fragen das Gerberviertel nicht. Erledigt und enttäuscht fuhren wir zum Hostel zurück und wollten am nächsten Tag einen neuen Versuch starten.

Nach einer selbst zusammengemischten Ingwer-, Eukalyptus-, Anismixtur, kombiniert mit einer Paracetamol-Dosis und viel Schlaf ging es am nächsten Tag wieder einigermaßen besser.

Dieses Mal fanden wir das Gerberviertel auf Anhieb. Es lag direkt in der Medina und war von Häusern umschlossen, die den Touristen von ihren Terrassen aus Blick über die sogenannte Tannerie gewährten. Wie alles in Marokko, wurde auch dies zum eigenen Vorteil genutzt. Denn um auf die Terrassen zu kommen, musste man – welch Überraschung – durch ein Lederwarengeschäft gehen. Ich wollte auf mehrere Terrassen, um die Perspektive aus mehreren Blickwinkeln einzufangen und somit wir ‚mussten’ die „Ich-möchte-nur-fotografieren-und-nix-kaufen-weil-wir schon-20-kg-Übergepäck haben.“-Prozedur mehrmals über uns ergehen lassen.

Die Verkäufer wirkten zwar nett und erzählten das eine oder andere Wissenswerte über die Lederverarbeitung. Sobald sie allerdings merkten, dass es bei uns Nichts zu holen gab, wollten sie uns mit Ausreden wie „Die Arbeiter hören bald auf zu arbeiten auf“ oder „Die Terrasse wird bald geschlossen“ loswerden.

Wir bekamen einen kleinen Bund Minze um den „bestialischen Gestank“ besser ertragen zu können. Im Endeffekt war das gar nicht nötig, denn es roch eher wie am Bauernhof.

Für die Arbeiter war es ein Knochenjob da die Tierfelle mit bloßer Körperkraft bearbeitet wurden und Maschinen verpönt waren. Meist ohne Handschuhe oder sonstiger Schutzkleidung verarbeiteten sie die Tierhäute in dem Gemisch bestehend aus Vogelkot, Kalk, Farbstoffen und Wasser. Nur so wird das Leder von Fès besonders weich.

Abgesehen vom Gerberviertel und dem gemütlichen Hostel hatte Fès nicht sonderlich viel zu bieten und erschien im Vergleich zu Marrakesch oder Essaouira eher trostlos.

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